ИЛЬЯ ЧЛАКИ - DAS LICHT DES MONDES (Свет луны)

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              И Л Ь Я   Ч Л А К И

    DAS LICHT DES MONDES (Свет луны)

     

    Aus dem Russischen von Gustav Neuthinger

     

    Personen:

     

    Mann – um die 40

    Frau   -  etwa 36

     

     

     

    Eine Küche. Abends.

    Der Mann und seine Frau decken den Tisch. Für zwei Personen.

    Aber jeder deckt für sich.

    Einen Teller. Einmal Besteck. Ein Glas. Eine Serviette. Eine Tasse. Jeder einzelne Gegenstand wird immer wieder zurechtgerückt, damit auch alles gerade steht, auf dem dafür vorgesehenen Platz. Jeder stellt sich sorgfältig einen Stuhl hin.

    Die Frau stellt Knäcke auf den Tisch. Der Mann Brot. Die Frau Margarine. Der Mann Butter in einer Butterdose. Wurst auf einem Teller. Käse auf einem Teller. Die Frau grüne Oliven. Der Mann schwarze. Weintrauben. Marmelade.

    Sie machen alles ohne Hast, prüfen nach jedem Schritt, was sie getan haben, richten alles millimetergenau aus.

    Die Frau stellt eine Flasche Saft auf den Tisch. Der Mann Wein. Sie schauen, ob alles an seinem Platz steht. Prüfen nochmals alles, rücken alles zurecht und setzen sich schließlich an den Tisch.

    Sie legen sich die Servietten auf den Schoß.

    Der Mann schenkt sich Wein ein. Die Frau Saft.

    Die Frau schmiert sich ein Knäckebrot mit Margarine aus einer Plastikdose. Der Mann schmiert sich ein Brot mit Butter.

    Die Frau legt ein Stück Wurst auf das Knäckebrot. Der Mann Käse.

    Die Frau legt grüne Oliven auf ihren Teller. Der Mann schwarze.

    Sorgfältig. Ohne Hast.

    Nachdem alles überprüft ist und an der absoluten Präzision der verrichteten Dinge kein Zweifel mehr besteht, trinkt jeder sein Getränk aus, dessen Geschmack... dem Erwarteten entspricht.

    Sie beißen von ihren Broten ab. Ohne Hast, langsam kauend.

    Sie trinken und essen gleichzeitig, aber nicht absichtlich, ohne sich gegenseitig aufzuziehen.

    Irgendwann bemerken sie ihre gleichzeitigen Tätigkeiten, versuchen, den Rhythmus zu durchbrechen, etwas völlig Unerwartetes zu tun, aber auch diese Versuche verlaufen zeitgleich.

    ANASTASIA:    Was?

    GRIGORIJ:       Was?

    ANASTASIA:    Ja.

    GRIGORIJ:       Ja.

    Sie kauen.

    ANASTASIA:    Was?

    GRIGORIJ:       Was?

    ANASTASIA:    Ja.

    GRIGORIJ:       Ja.

    Sie kauen.

    GRIGORIJ:       Was?

    ANASTASIA:    Was?

    GRIGORIJ:       Nein.

    ANASTASIA:    Nein.

    Sie kauen.

    Grigorij schaut Anastasija an, will fragen: Was?, aber er fragt nicht.

    GRIGORIJ:       Nein.

    ANASTASIA:    Nein.

    GRIGORIJ:       Was?

    ANASTASIA:    Was?

    GRIGORIJ:       Nein!

    ANASTASIA:    Was – nein?!

    GRIGORIJ:       Das – nein!

    ANASTASIA:    Schrei nicht!

    GRIGORIJ:       Ich?!

    ANASTASIA:    Du!

    GRIGORIJ:       Ich soll nicht schreien?

    ANASTASIA:    Du sollst nicht schreien!

    GRIGORIJ:       Meinst du mich?!

    ANASTASIA:    Ja!

    GRIGORIJ:       Sprichst du mit mir?!

    ANASTASIA:    Nein!

    GRIGORIJ:       Ich hab dich was gefragt!

    ANASTASIA:    Nein!

    GRIGORIJ:       Hast du das zu mir gesagt, zu mir?!

    ANASTASIA:    Zu dir, zu dir!

    Sie kauen.

    GRIGORIJ:       Du Miststück!

    ANASTASIA:    Was?!

    GRIGORIJ:       Das!

    ANASTASIA:    Was hast du gesagt?

    GRIGORIJ:       Ich?!

    ANASTASIA:    Du, du!

    GRIGORIJ:       Nichts!

    ANASTASIA:    Hast du Miststück gesagt?!

    GRIGORIJ:       Ja.

    ANASTASIA:    Zu mir?!

    GRIGORIJ:       Nein!

    ANASTASIA:    Hast du das zu mir gesagt?!

    GRIGORIJ:       Zu mir selbst!

    Sie kauen.

    ANASTASIA:    Scheiße!

    GRIGORIJ:       Was?!

    ANASTASIA:    Was?

    GRIGORIJ:       Was hast du gesagt?!

    ANASTASIA:    Nichts.

    GRIGORIJ:       Sag das noch mal!

    ANASTASIJA:  Nichts!

    GRIGORIJ:       Sag noch mal, was du gesagt hast!

    ANASTASIA:    Nichts!

    GRIGORIJ:       Du hast Scheiße gesagt! Zu mir?!

    ANASTASIA:    Zu mir selbst!

    Sie trinken.

    Grigorij lächelt gequält.

    Anastasia lächelt gequält.

    Sie trinken.

    GRIGORIJ:       Na?

    ANASTASIA:    Na?

    GRIGORIJ:       Was willst du mir noch sagen?

    ANASTASIA:    Mmmh.

    GRIGORIJ:       Also so was, „Scheiße“...

    ANASTASIA:    Mmmh.

    GRIGORIJ:       Das kannst du doch auch grober.

    ANASTASIA:    Klar.

    GRIGORIJ:       Na dann los.

    ANASTASIA:    Gleich.

    GRIGORIJ:       Na los.

    ANASTASIA:    Ich esse.

    GRIGORIJ:       Ich auch.

    ANASTASIA:    Ich kaue.

    GRIGORIJ:       Das sehe ich.

    ANASTASIA:    Ich sag’s nachher.

    GRIGORIJ:       Ich würde es gerne hören.

    ANASTASIA:    Du hast es schon gehört.

    GRIGORIJ:       Noch mal.

    ANASTASIA:    Es gibt nichts Neues zu sagen.

    GRIGORIJ:       Dann was Altes.

    ANASTASIA:    Wart’s ab.

    GRIGORIJ:       Du gefällt’s mir.

    ANASTASIA:    Ich weiß.

    GRIGORIJ:       Sehr sogar.

    ANASTASIA:    Ich weiß.

    GRIGORIJ:       Sogar mehr als damals.

    ANASTASIA:    Ja.

    GRIGORIJ:       Als wir uns kennen gelernt haben.

    ANASTASIA:    Jaja.

    GRIGORIJ:       Das weißt du auch?

    ANASTASIA:    Ja.

    GRIGORIJ:       Und ich weiß es auch.

    ANASTASIA:    Du mir auch.

    GRIGORIJ:       Was?

    ANASTASIA:    Gefällst mir.

    GRIGORIJ:       Ah.

    ANASTASIA:    Sehr.

    GRIGORIJ:       Ah.

    ANASTASIA:    Besser als je zuvor.

    GRIGORIJ:       Ach was?

    ANASTASIA:    Ich glaube sogar, ich...

    GRIGORIJ:       Was?

    ANASTASIA:    Ich kaue erst zu Ende.

    GRIGORIJ:       Na dann kau.

    ANASTASIA:    Ja.

    GRIGORIJ:       Besser.

    ANASTASIA:    Was?

    GRIGORIJ:       Du musst besser kauen.

    Kleine Pause.

     

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