ИЛЬЯ ЧЛАКИ - UND UNSERE ASCHE STREUT MAN ÜBER DIE ERDE... (И пепел наш развеют по земле...)

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              И Л Ь Я   Ч Л А К И

    UND UNSERE ASCHE STREUT MAN ÜBER DIE ERDE... (И пепел наш развеют по земле...)

     

    © Drei Masken Verlag

    http://www.dreimaskenverlag.de/katalog/titel-a-z/controller/show/titel/1517/

     

    Aus dem Russischen von Gustav Neuthinger

     

    für Lew

     

     

     

    Personen:

     

    Hans

    Josef

     

     

    Ein Zweibettzimmer im Altersheim. Es ist Nacht. Alles ist dunkel.

    Hans und Josef.

    Hans schaltet das Licht an.

    Josef schläft nicht, er sitzt auf einem Stuhl.

    HANS. Oh, es ist hell! Na, gibt es denn sowas – erst ist es Nacht und dann – schwupp! – ist es auf einmal Tag. Tam-ta-ram. Tam-ta-ram. Interessant. Schwupp (Er löscht das Licht). Und wieder Nacht. Schwupp (Er schaltet es an). Tag. Sehr interessant. Schwupp – Frühling, schwupp – Herbst, schwupp – Sommer... Tam-ta-ram. Schwupp – ein Mensch wird geboren, schwupp - ist er gestorben. Schwupp - ist er verheiratet, schwupp – ist er verschwunden. Tam-ta-ram. Aber vielleicht geht das irgendwie anders? Nein, unmöglich. Es ist immer das Gleiche. He, Josef, schläfst du? Hörst du mich? Zeit anzufangen. Hörst du? Spielen wir nun oder nicht? Genug geschlafen!

    JOSEF. Ich schlafe nicht.

    HANS. Du, die Zeit vergeht und wir fangen überhaupt nicht an. Ich habe Hunger. Ein Eis wäre jetzt nicht schlecht. Schwupp - da hast du ein Eis. Wie würde dir das gefallen?

    JOSEF. Ich mag Eis.

    HANS. Besonders Erdbeereis.

    JOSEF. Erdbeereis ist langweilig, Schokoladeneis - das ist was feines!

    HANS. Na also. Schokoladeneis?

    JOSEF. Ja, und dazu noch mit Nüssen.

    HANS. Ich mag keine Schokolade.

    JOSEF. Magst du nicht? Und Karamel?

    HANS. Das liebe ich abgöttisch. Und noch mehr mag ich Fruchtbonbons, die könnte ich den ganzen Tag lutschen. Nur gibt mir meine Mama keine. Und dir?

    JOSEF. Mir auch nicht.

    HANS. Dir auch nicht?

    JOSEF. Ja, weil sie nichts hat.

    HANS. Nichts?

    JOSEF. Überhaupt nichts!

    Beide lachen.

               HANS. Aber ich habe was.

              JOSEF. Und ich habe Schokolade.

               HANS. Schokolade? Woher hast du Schokolade? Du hast ja nicht mal Fruchtbonbons!

    Beide lachen.

    HANS. Ach, ich Dummkopf, das habe ich ja ganz vergessen. Schau mal, was ich hier habe! (Nimmt aus seinem Nachtschränkchen zwei Masken.)

    JOSEF. Was ist das?

    HANS. Masken. Schau, schau nur! Erkennst du sie nicht?

    JOSEF. Wann hast du die gemacht?

    HANS. Den ganzen Tag habe ich geschuftet, während du hier rumgelegen hast. Wie gefallen sie dir? Das hier bist du und das bin ich. Mit Masken ist es interessanter, nicht wahr? Wie im Theater. Magst du Theater? Halt, halt mal.

    Er reicht Josef eine Maske, die sein eigenes Gesicht darstellt.

    JOSEF. Das bist du?

    HANS. Ist es etwa nicht ähnlich? Und das bist du.

    JOSEF. Ich, ich?! Du bist ja ein richtiger Künstler.

    HANS. Ist doch ähnlich, wie aus dem Gesicht geschnitten.

    Sie lachen.

    HANS. Leiser, leiser. Sie werden uns hören und schimpfen.

    JOSEF. Weshalb?

    HANS. Sie werden sagen, daß wir zu laut sind.

    JOSEF. Und was werden wir sagen?

    HANS. Wir werden sagen... daß wir es nicht waren.

    JOSEF. Nicht wir? Wer denn?

    HANS. Keine Ahnung. Mäuse, die Mäuse!

    JOSEF. Mäuse!

    Sie lachen.

    HANS. (Bedeckt sein Gesicht mit der Maske von Josef.) Hast du Angst vor Mäusen?

    JOSEF. (Bedeckt sein Gesicht mit der Maske von Hans.) Nein, kein bißchen. Ich habe vor gar nichts Angst.

    HANS. Und ich fürchte mich ein bißchen. Piep, piep, piep. Und meine Schwester, die fürchtet sich auch.

    JOSEF. Du hast eine Schwester?

    HANS. Aber ja, natürlich!

    JOSEF. Wo ist sie denn?

    HANS. Wie – wo ist sie? Weiß ich nicht. Wahrscheinlich schläft sie, es ist doch schon Nacht. Bestimmt schläft sie schon. Sie ist doch noch klein, Mama hat sie schon längst ins Bett gebracht.

    JOSEF. Ich habe keine Schwester.

    HANS. Das heißt, du hast einen Bruder.

    JOSEF. Auch keinen Bruder.

    HANS. Aber ich habe eine Schwester.

    JOSEF. „Eine Schwester“. Und ich habe – niemanden. Ich bin allein.

    HANS. Sei doch froh, du bekommst immer alles, mußt keine Spielzeuge und Süßigkeiten teilen... und auf dem Karussell läßt man dich alleine fahren.

    JOSEF. Mich allein.

    HANS. Dich allein.

    JOSEF. Und hast du... nur eine Schwester?

    HANS. Ja, kann man so sagen.

    JOSEF. Spielst du mit ihr?

    HANS. Nein, sie ist doch zu klein, viel zu klein! Mir ist es zu langweilig mit ihr. Ha ha ha!... Und du hättest doch deine Mami bitten können!

    JOSEF. Um was?

    HANS. „Mami“, sag: „Mami, bitte, bitte!“

    JOSEF. Was?

    HANS. Mach mir ein Brüderchen, mach mir ein Brüderchen! Schwupp – hast du einen kleinen Bruder! Ha ha ha! Schwupp – und noch ein Schwesterchen! Ha ha ha. Das ist doch eine Kleinigkeit für dich, Mami!

    JOSEF. Das ist doch eine Kleinigkeit für dich, Mami?

    HANS. (Reißt die Maske vom Gesicht.) Ich kann jetzt nicht, es ist kein Mann da, dein Papi ist nicht da.

    JOSEF. Papi ist nicht da.

    HANS. Papi, Papi... (Lacht.) Hat sich in Luft aufgelöst. Und ohne einen Papi kann man schlecht etwas machen. Aber wenn du willst, versuch ich’s. Willst du?

    JOSEF. Ich weiß nicht. Mir ist es allein zu langweilig. Alle haben Brüder, Schwestern, nur ich bin allein.

    HANS. Du hast viele Freunde.

    JOSEF. Freunde – das ist nicht das Gleiche, überhaupt nicht das Gleiche.

    HANS. Wenn du willst, kauf ich dir eine Katze oder einen Hund. Mit einem Hund ist es sehr lustig. Du kannst mit ihm spielen, laufen, springen...

    JOSEF. Ich möchte eine Eisenbahn.

    HANS. Nein, das ist sehr teuer und wir haben kein Geld. Ich muß erst etwas verdienen, dann vielleicht... Möchtest du Zinnsoldaten?

    JOSEF. Ja.

    HANS. Ja? Sehr schön. Morgen kaufen wir welche.

    JOSEF. (Reißt die Maske vom Gesicht.) Wir kaufen welche?

    HANS.„ Kaufen!“ Natürlich, unbedingt! Einen Dreck wird sie dir kaufen. Sie hat mir immer irgend etwas versprochen und nie, niemals, nicht ein einziges Mal im Leben hat sie mir etwas gekauft, nicht einmal irgendeine Kleinigkeit! Zinnsoldaten! Wie gerne hätte ich Zinnsoldaten gehabt! Hattest du Zinnsoldaten?

    JOSEF. Ja.

    HANS. Und ich hatte keine. Überhaupt nichts hatte ich. Leere Blechdosen – das war mein einziges Spielzeug. Nicht wie bei euch!..

    JOSEF. Schon gut, schon gut, das ist doch alles nicht so schlimm, nicht wahr? Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich dir irgend etwas geschickt. Ich wäre zur Post gegangen und hätte dir Zinnsoldaten geschickt. Oder eine Lokomotive. Aber ich wußte ja nicht, daß es dich gibt, ich hatte nicht die geringste Ahnung.

    HANS. Es klappt ganz gut, nicht wahr? Komm, mach weiter!

    JOSEF. Wo sind wir stehengeblieben?

    HANS. Bei deiner Mutter.

    JOSEF. Bei deiner.

    HANS. Schwupp – und bei deiner! Bei deiner, bei deiner!

     

     

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